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In Organisationen kommt es immer wieder zu regelabweichendem Verhalten von Mitarbeitenden. Dies geschieht oft nicht aus eigennütziger Motivation, sondern aufgrund informeller Normen, etablierter Handlungsmuster oder opportuner Gelegenheiten. Solche Verhaltensweisen werden in der Organisationssoziologie als organisationale Devianz verstanden und können sogar als nützlich für die Organisation erscheinen. In einer Vielzahl von Organisationstypen führt dies häufig zum Phänomen des „Organizational Bystanding“: Wahrgenommene Regelverstöße werden im Sinne der Organisation nicht offen angesprochen.
Doch gilt dies auch im kommunalpolitischen Wettbewerb? Die vorliegende Studie untersucht, wie Kommunalpolitiker*innen Regelverstöße im Wahlkampf wahrnehmen und darauf reagieren. Mit Hilfe eines Vignettendesigns wird analysiert, ob unterschiedliche Formen von Vorteilsnahmen die Wahrnehmung und den Umgang mit Regelabweichungen beeinflussen. Damit liefert die Arbeit neue Einsichten in Devianz, Normen und Verantwortung im kommunalpolitischen Kontext. Das Ergebnis zeichnet ein überraschendes Bild: Entgegen gängiger Annahmen aus der Wirtschaft dominiert im politischen Kontext nicht das Schweigen, sondern die öffentliche Auseinandersetzung.
Kim Angelina Kettner ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Organisationssoziologie und der Compliance-Forschung, mit besonderem Fokus auf organisationale Devianz sowie Speak-up-Kultur in Organisationen.
| Publication Date: | 02 August 2026 |
| Publisher: | Springer Fachmedien Wiesbaden |
| Imprint: | Springer VS |
| ISBN-13: | 9783658522605 |
| Format: | Paperback / softback |